haben uns bereits mehr als einmal für sich eingenommen und wie so oft bei einer guten Story, fesselt einen die Neugierde Seite um Seite und so hofft man nach jedem Kapitel auf noch eines und noch eines ...
Dass Marcin seine Energie aus dem Abenteuer zieht, ist mittlerweile wohl mehr als deutlich geworden. Jemand mit einem Kopf voller Ideen und Ameisen unter den Fußsohlen, der sollte nicht gehalten werden, sondern nur noch mehr Aufwind in die Segel gepustet bekommen.
Wir machten uns auf, den Jungwinzer in seinem neuesten Kleinod Oz & Cappuccio – Pesce Fresco auf Ortygia, der Halbinsel von Syracus, zu besuchen, mit dem Ziel die gerade frisch abgefüllten Jahrgänge zu probieren.
Doch dann stehen wir erst einmal vor den heruntergezogenen Rollläden. Ein kurzes Telefonat offenbart: Das Unwetter, das wir nur aus der Ferne beobachtet haben, hat die Stadt ordentlich nass gemacht und daran kann auch der Schutzgott Sant’Antonno nichts rütteln. Folglich fiel der Wochenmarkt ins Wasser und alle Ladengeschäfte blieben geschlossen. Ein leichtes Gefühl des Deja vu schleicht sich heran und unsere Gedanken wandern unweigerlich zu ebenjenen Erinnerungen an Syrakus, Sturzbäche und einem missglückten Versuch als Erntehelfer.
Er trägt gelbes Ölzeug, redet vom Regen, von nicht vorhandenen Etiketten und Flaschen, schließt parallel den Laden auf und parkt den Defender in kreativ italienischer Manier wild auf der Straße. Zwischen all dem stiehlt sich auch die Erzählung von seinem neuesten Dessertwein in unsere Ohren. Entstanden aus dem Versuch aus der Not eine Tugend zu machen, hat das Weingut die damals von Neidern fremd-beschnittenen Reben als Omen genommen und mit den resultierten Rosinen das Experiment Cut and Run gewagt.
Also sofort alles stehen und liegen lassen und ab in die Cantina – den Prozess stoppen und neue Hefe kultivieren. Dann zieht Marcin wirklich die Rollläden hoch und die Begeisterung ist umso größer. Als Fischbude lässt sich die ehemalige Garage wirklich nicht bezeichnen. Mitten in seinem Reich stehend wird deutlich, wie viel Zuneigung in seinen Projekten steckt.
Die Eindrücke spielen Pingpong zwischen rosa lackierten Bestelltischen, Kakteen und Schieferplatten voller Rezepten. Nach kurzem Zögern lässt er sich sogar dazu hinreißen, selbst den Pfannenwender zu schwingen und so landen mit Zitronenzeste, wildem Fenchel und Chili marinierte Thunfischburger, samt hausgemachter Mayo, Wasabi und Teriyakisoße in Windeseile in unseren Händen.
Der Fisch kommt saisonal und frisch vom singenden Fischhändler gegenüber, die Brötchen macht ein benachbarter Bäcker auf speziellen Wunsch und in den türkisgrün-glänzenden Fliesen, die das Wasser einer umliegenden Bucht wiedergeben, spiegelt sich dieses Arrangement mehr als köstlich.
Und während Marcin von seinen Rezepten erzählt, die ihm durch den Kopf spuken, über Personal schwärmt, dass diese Visionen umsetzen kann und jener schieren Freude, die dieses Projekt neben dem Weingut bringt, breitet sich zwischen uns ganz leise die Spätsommerwärme Siziliens aus – hier bei Oz in seiner smaragdenen Stadt.
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