Erzählt man die Geschichte von Olio Calvi, so erzählt man auch die Geschichte des Restaurants Salvo Cacciatori. Zu Beginn unseres Besuches waren wir schnell dazu verleitet zu behaupten, die alte Stadtvilla sei Dreh- und Angelpunkt der Familie, in Wahrheit ist jedoch das Restaurant der Mutter Angela jener Ort, der alle an einen Tisch bringt.
Das Restaurant ist ähnlich alt wie Olio Calvi. 1905 gründeten Gianni und Lucas Urgroßeltern mütterlicherseits ein kleines Café auf der Piazza Dante in Oneglia, derselbe Ort also, an dem auch Großvater Calvi seine Geschäfte mit dem Olivenöl tätigte. Aus diesem Café wurde über viele Jahre hinweg zunächst eine Trattoria. Auf Initiative von Agostino Salvo (Angelas Vater), der seine Lehrjahre in der Pariser Sterneküche verbrachte, formte sich aus dem schlichten Restaurant eine gehobene Küche, die bis heute nicht nur die Imperianer zielsicher verköstigt, sondern auch die ein oder andere Berühmtheit, wie zum Beispiel Salvador Dali, mit seinem Handwerk verwöhnte und seit Jahren im Guide Michelin geführt wird.
Wenn die Geschwister über das Restaurant sprechen, so sitzt stets die gute Seele dieses Ortes mit im Raum. Gianni erzählt uns, dass, als die Mutter zum ersten Mal nach dreißig Jahren Vollzeitmutter-Sein zurück ins Restaurant kam (es war zwischenzeitlich verpachtet), sie sich umsah und rief: "Ich fühle mich wieder zu Hause!“ Ohne Erfahrung aber mit viel Leidenschaft und der moralischen Unterstützung von Giovanni Senior schuf sich Angela über die letzten Jahre hinweg ihren persönlichen Heimathafen. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem dritten Sohn Enrico das Restaurant. Der vierte im Bunde, Marco, arbeitet zwar tagsüber als Architekt sein persönliches „Yoga“ findet er allerdings im Teig kneten, Brotlaibe formen und Grissini rollen in Salvos Küche.